Zakat ist die Abgabe, die jeder Muslim an bedürftige Menschen entrichten muss. Sie wird oft mit „Almosensteuer“ übersetzt, bedeutet aber eigentlich „das, was reinigt“. Sie gehört neben dem Glaubensbekenntnis, dem Pflichtgebet, dem Fasten und der Pilgerfahrt zu den 5 Säulen des Islam. Zakat ist keine freiwillige Abgabe, sondern eine Pflichtsteuer. Eine freiwillige Spende wird im islamischen Kontext als sadaqa bezeichnet. Zakat richtet sich nach dem Besitz des Einzelnen, der nach einem be-stimmten Prozentsatz besteuert wird.

Zakat

Herkunft

Der Zakat wird schon in frühester Zeit zentrale Bedeutung beigemessen. Der Koran erwähnt die Zakat an zahlreichen Stellen, meist in Zusammenhang mit anderen Glaubenspflichten wie dem Gebet. Sie wird als eine der Grundvoraussetzungen für die Erlösung am Jüngsten Gericht beschrieben: „Mit Meiner Strafe treffe ich, wen ich will. Aber Meine Barmherzigkeit kennt keine Grenzen. Und ich werde sie denen zukommen lassen, die gottesfürchtig sind und die Almosensteuer geben, und die an unsere Zeichen glauben" (Sure 7: 156). Manchmal wird sie auch als Grundvoraussetzung dafür angesehen, als Muslim zu gelten: „Wenn sie (die Heiden) sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen!“ (Sure 9: 5).

Der Koran bleibt jedoch relativ vage bezüglich der Details der Zakat. Es wird weder ein genauer Prozentsatz vorgegeben, noch wird das Minimum an Vermögen festgesetzt, ab dem Zakat entrichtet werden muss. Diese Aufgabe übernehmen die Überlieferungen des Propheten Muhammad. Jede der bekannten Hadithsammlungen enthält ein separates Kapitel/Buch über die Zakat. Hier wird beispielsweise eine Rate von 2,5% für die Zakat erwähnt. Ebenfalls erwähnt sind die Folgen dessen, wenn man sich weigert, die Zakat zu entrichten. Zudem findet man Hinweise darauf, wie die Zakat eingetrieben werden soll.

Zakat wurde institutionalisiert nach der Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina und fortgesetzt unter seinen Nachfolgern. In der Folgezeit wurde Zakat häufig als Legitimationsinstrument eingesetzt – nur den Regierungen, die als legitim angesehen waren, wurde Zakat gezahlt. Die Sichtweise der Zakat oszillierte im Laufe der Geschichte zwischen individueller, freiwilliger Abgabe, einerseits, und verpflichtender Staatsfunktion, andererseits.

Entrichtung 

Wie hoch die Zakat für eine Einzelperson ausfällt, hängt von der Höhe ihres Vermögens und Besitzes ab. Obwohl der Koran darüber keine Angaben macht, werden gewöhnlich 2,5 % der Kapitalanlagen veranschlagt. Anderes Vermögen wie landwirtschaftliche Erzeugnisse, Edelmetalle, Mineralien oder Vieh werden mit zwischen 2,5% und 20% besteuert. Das Minimum des Geldwertes des Besitzes, ab dem Zakat entrichtet werden muss, wird als nisab (Anteil) bezeichnet. Dieser Anteil wird für jede Art von Besitz eigens errechnet und was darüber hinausreicht, wird besteuert.

Obwohl der Pflichtcharakter der Zakat unumstritten ist, sind sich muslimische Gelehrte über alle Details uneinig. Unterschiedliche Rechtsschulen vertreten unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Höhe des nisab, der Anwendbarkeit eines nisab, der Höhe der Besteuerung, die Art des Besitzes, der besteuert werden soll und an wen die Einnahmen verteilt werden sollen.

In einigen Ländern, wie beispielsweise Saudi-Arabien, Libyen und Pakistan, zieht die Regierung die Zakat als Pflichtsteuer ein. In den meisten muslimisch geprägten Ländern ist es den einzelnen Gläubigen selbst überlassen, wie und in welcher Höhe sie Zakat entrichten. Oft sind dafür bestimmte Zakat Komitees eingerichtet, die sich um Sammlung und Verteilung der Zakat kümmern.

In Europa, wo Muslime eine Minderheit darstellen, kann die Zakat in den meisten Moscheen, Gemeinden, Verbänden oder an Hilfsorganisationen entrichtet werden. Diese werden dann an bedürftige Menschen weitergeleitet. Mittlerweile kann die Zakat am Computer berechnet werden. Letztlich beruht sie aber in den meisten Fällen auf Freiwilligkeit.

Verteilung

Der Koran macht Vorgaben darüber, wer von der Zakat profitieren soll: „Die Almosen sind nur für die Armen und Bedürftigen (bestimmt), (ferner für) diejenigen, die damit zu tun haben, (für) diejenigen, die (für die Sache des Islam) gewonnen werden sollen, für (den Loskauf von) Sklaven, (für) die, die verschuldet sind, für den heiligen Krieg und (für) den, der unterwegs ist“ (Sure 9: 60). Aus diesem Vers haben muslimische Gelehrte acht Kategorien von Zakat-Empfängern abgeleitet, ohne jedoch eine Rangfolge oder Anteile festzulegen: Arme (fuqara‘), Bedürftige (masakiin), Zakat-Eintreiber, diejenigen, die zum Islam übertreten wollen oder gerade übergetreten sind, zur Befreiung von Sklaven, diejenigen, die Schulden aufgenommen haben, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, diejenigen, die sich auf dem Pfad Gottes bemühen und Reisende.

Uneinigkeit besteht unter Gelehrten darüber, ob alle acht Kategorien bei der Verteilung der Zakat gleich bedacht werden müssen oder ob einzelne Kategorien bevorzugt oder vernachlässigt werden dürfen. Uneinigkeit besteht auch darin, ob Nichtmuslime Zakat empfangen dürfen. Und schließlich besteht Uneinigkeit über die Interpretation einiger Kategorien wie beispielsweise derjenigen, die sich auf Gottes Pfad bemühen. Gehören dazu auch „Werbekampagnen“ für den Islam oder sollte die Zakat auf soziale und wirtschaftliche Härtefälle begrenzt werden?

Weiterführende Literatur:

Farschid, Olaf. 2012. Zak?t in der Islamischen Ökonomik. Zur Normenbildung im Islam. Würzburg: Ergon.

Abu Sahlieh, Sami A. Aldeeb. 2016. Zakat, Korruption und Dschihad. Interpretation des Koranverses 9:60 durch die Jahrhunderte. North Charleston: Create Space.

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