Schönheitsoperationen oder ästhetische Chirurgie sind Teil des medizinischen Fachbereichs der plastischen Chirurgie.

Ebenfalls in diesen Fachbereich gehören rekonstruktive Chirurgie (Wiederherstellung verlorengegangener Funktionen des Körpers durch Verletzungen, Fehlbildungen etc.) und Verbrennungschirurgie (Behandlung von Verbrennungsfolgen).

Schönheitsoperationen

Ästhetische Chirurgie bezeichnet formverändernde Eingriffe, die, im Gegensatz zu den anderen Teilbereichen der plastischen Chirurgie, nicht aus medizinischer Notwendigkeit durchgeführt werden. Es handelt sich um operative Eingriffe an Bereichen wie Nase, Kinn, oder Brust und um kosmetische Straffung von Gewebe, die ausschließlich auf Wunsch des Patienten erfolgen. Sie haben eine Verbesserung des Erscheinungsbildes zum Ziel.

Ästhetische Chirurgie ist nicht erst im 20. Jahrhundert entstanden. Sie existierte bereits im Alten Ägypten und in Indien vor über drei Jahrtausenden.

Schönheit und die Psyche

Wer einen Schönheitschirurgen aufsucht, ist meistens nicht krank, sondern unzufrieden mit seinem Äußeren. Diese Unzufriedenheit kann jedoch zu Minderwertigkeitsgefühlen, mangelndem Selbstvertrauen, Depressionen, Selbsthass und Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung führen. Und tatsächlich fühlen sich viele der Patienten, die eine Schönheitsoperation durchführen ließen, attraktiver, glücklicher und zufriedener als vor dem Eingriff. Nach der Beseitigung der „Schönheitsfehler“ entwickelten einigen Studien zufolge die Patienten mehr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein im beruflichen und privatem Alltag, und fühlten sich wesentlich wohler als vorher.

Es bleibt jedoch zu bedenken, dass viele psychologischen Probleme, wie beispielsweise Beziehungsprobleme, in „unschöne“ Körperbereiche hineinprojiziert werden, und somit mit einem chirurgischen Eingriff nicht gelöst werden können. Die einfachen Lösungen, die die Schönheitschirurgie bietet, täuscht oft über die tieferen Beweggründe für den Körperhass hinweg. Dies ist besonders gravierend, wenn der chirurgische Eingriff nicht die erhofften Veränderungen im Leben bewirkt.

Zudem können bereits kleine Veränderungen am Körper psychische Auswirkungen haben. Manche empfinden nach dem chirurgischen Eingriff eine Fremdheit ihrem eigenen Körper gegenüber. Oft wird die Sensibilität von Körperteilen beeinträchtigt und es kann zu Taubgefühlen kommen. Verhaltensweisen müssen eventuell umgestellt werden und es kann sich ein negatives Verhältnis zum eigenen Körper entwickeln.

Darüber hinaus entsteht bei vielen der Wunsch, einer ersten ästhetischen Operation weitere folgen zu lassen, so dass ein Kreislauf von chronischer Unzufriedenheit entsteht.

Schönheit und Glaube

Explizite Äußerungen zu plastischer Chirurgie gibt es in den islamischen Quellen erwartungsgemäß nicht. Ein chirurgischer Eingriff in das körperliche Erscheinungsbild eines Menschen ist nach Ansicht der meisten muslimischen Gelehrten bedenkenlos, wenn er medizinische indiziert ist, d.h. als Unfallfolge oder bei Fehlbildungen, die gravierend die Körperfunktionen beeinträchtigen.

Eingriffe durchführen zu lassen, die rein der Ästhetik dienen, ist aus islamischer Sicht jedoch im besten Falle zweifelhaft, wenn nicht gänzlich unangebracht. Als Begründung für dieses Urteil werden verschiedene Argumente aus den islamischen Quellen herangezogen.

Zum einen sollte man seinen Körper und Geist nicht unnötigen Gefahren und Schmerzen aussetzen „…und stürzt euch nicht mit eigener Hand ins Verderben…“ (Sure 2: 195). Diese Argumentation ähnelt derjenigen bezüglich des Rauchens, wo auch meist auf die Unversehrtheit des Körpers hingewiesen wird. Außerdem deutet sie die oben beschriebenen Gefahren durch Schönheitsoperationen an.

Des Weiteren werden ästhetische Eingriffe mit „nichtigen Wünschen“ in Verbindung gebracht, die durch den Teufel Iblis hervorgebracht werden. In Sure 4: 118-119 wird Iblis zitiert: „‘Ich will wahrlich von Deinen Dienern einen bestimmten Teil nehmen; und ich will sie irreführen und (nichtige) Wünsche in ihnen wecken und ihnen befehlen, den (geweihten) Herdentieren die Ohren abzuschneiden und die Schöpfung Gottes zu verändern."" Diejenigen, die sich den Teufel an Gottes Statt zum Beschützer nehmen, haben (letzten Endes) offensichtlich den Schaden.“. Die „nichtigen Wünsche“, seinen Körper, d.h. „Gottes Schöpfung“, zu verändern, sind also Teufelswerk und daher sündhaft. Wird der Gedanke der Manipulation von Gottes Schöpfung weiterverfolgt, dann ergibt sich daraus eine Undankbarkeit mit einem dem Menschen anvertrauten Gut – dem Körper – das Gott perfekt geschaffen hat.

Ganz abgesehen davon sind Schönheitsoperationen meist sehr kostspielig und können so als eine Verschwendung von Geld angesehen werden, welches man sinnvoller einsetzen könnte. Der Koran ermahnt die Gläubigen: „[...] Und seid (dabei) nicht verschwenderisch! Gott liebt diejenigen nicht, die nicht maßhalten.“ (Sure 7:31). Für einen gläubigen Muslim sollte das Wohl seines Nächsten wichtiger sein, als seiner Ästhetik nachzuhelfen.

Plastische Chirurgie sollte also aus islamischer Sicht immer medizinisch indiziert sein und ansonsten nur in extremen Notfällen, wie beispielsweise bei außergewöhnlichem psychischem Leiden durch Mobbing und Diskriminierung, angewandt werden.

Weiterführende Literatur:

Kurz, Susanne, Claudia Preckel und Stefan Reichmuth (Hrsg.). 2016. Muslim Bodies. Körper, Sexualität und Medizin in muslimischen Gesellschaften. Berlin: Lit Verlag.

Fülle, Katharina. 2009. Body in Islam. A Source of Sin and Shame? München: GRIN Verlag.

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