Die bewusste Einnahme von Tabakrauch bzw. das Einatmen von verbrennenden Pflanzenteilen steht im Islam seit Jahren zur Diskussion. Ein explizites Verbot des Rauchens ist weder im Koran, noch in den Überlieferungen des Propheten Muhammad zu finden.

Rauchen

Was bedeutet rauchen?

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen setzt sich der Inhalt von Zigaretten, Zigarillos oder Zigarren aus unzähligen Stoffen zusammen, wie zum Beispiel Nikotin, krebserregenden Stoffen, Schwermetallen und Giften, welche rauschartige Zustände erzeugen können. Diese können unter anderem zu reduzierter körperlicher Leistungsfähigkeit und höherem Krebsrisiko führen. Nikotin beeinflusst die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn. Im Unterschied zu Alkohol oder zu Heroin ist Nikotin jedoch keine bewusstseinsverändernde Droge. Jedem Raucher droht dennoch eine körperliche und psychische Abhängigkeit.

Rauchen in Gesellschaft

Tabak wurde in seiner Urheimat Amerika oft zu medizinischen und rituellen Zwecken verwendet. Importiert nach Europa wurde das Kauen, Schnupfen und Rauchen von Tabak zuerst zu einem Symbol der Zugehörigkeit der gesellschaftlichen Oberschichten. Erst durch den Beginn der Massenproduktion von Zigaretten zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Rauchen auch für weniger wohlhabende Bevölkerungsschichten erschwinglich.

Während durch strikte Gesetzgebung und verschiedene Gesundheitskampagnen der Zigarettenkonsum in Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts zurückgegangen ist, blieb er in vielen außereuropäischen Ländern hoch. Auch in vielen muslimischen Mehrheitsgesellschaften ist der Tabakkonsum weiterhin hoch, was unter anderem an den niedrigen Preisen für Zigaretten liegt.

Zudem hat Rauchen eine soziale Komponente, die nicht zu vernachlässigen ist. Geraucht wird oft in Gesellschaft. Dies gilt vor allem für Wasserpfeifen, die in vielen muslimisch geprägten Gesellschaften Teil des Alltags sind.

Rauchen hat auch einen Genderaspekt. Es wird generell als eher männlich betrachtet, obwohl auch viele Frauen rauchen. In vielen muslimisch geprägten Gesellschaften gilt es als ausgesprochen schändlich für eine Frau zu rauchen, während es für Männer ein Ausdruck ihrer Maskulinität ist. Frauen in solchen Gesellschaften rauchen dennoch in nicht geringem Maße, jedoch im privaten Raum. Dazu zählt auch das Rauchen von Wasserpfeifen in Frauengruppen.

Islamische Einwände gegen das Rauchen

Obwohl das Rauchen in islamischen Quellen nicht explizit verboten wird (vermutlich, weil es damals nicht existierte), bestehen verschiedene Vorbehalte gegen den Tabakkonsum.

Zum einen kann der Konsum von Tabak, vor allem im Falle einer körperlichen Abhängigkeit, zu erhöhten Geldausgaben führen, was als „Verschwendung“ eingestuft werden kann. Im Koran ist jedoch deutlich festgehalten, dass Verschwendung vermieden werden sollte. „[...] Und seid (dabei) nicht verschwenderisch! Gott liebt diejenigen nicht, die nicht maßhalten.“ (Sure 7:31). Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Maßhalten wird besonders deutlich in den Regeln zum Fastenmonat Ramadan, während dessen auch „maßgehalten“, also gefastet werden soll und Rauchen zu den Dingen gehört, die unterlassen werden sollen.

Des Weiteren gebietet der Koran, dass der eigenen Gesundheit nicht geschadet werden solle: „[...] Und stürzt euch nicht mit eigenen Händen ins Verderben [...]“ (Sure 2:195). Dem Körper, der einem Menschen vom Schöpfergott anvertraut wurde, soll kein absichtlicher Schaden zugefügt werden. Jeder Mensch trägt Verantwortung für die Erhaltung dieses Körpers. Wie man dieser Verantwortung gerecht wird, liegt bei den einzelnen Menschen selbst.

Man kann also trotz der Abwesenheit eines expliziten Rauchverbots in den islamischen Quellen zu dem Ergebnis kommen, dass Rauchen ebenfalls zu den Dingen gehört, die verboten sind. Dass Rauchens jedoch nicht unzweideutig eingeordnet werden kann, wird in einem religiösen Rechtsgutachten von Sayyid Fadlallah deutlich: „Es ist nicht erlaubt zu rauchen, sei es während des Fastens oder nicht, weil es Gesundheitsschäden verursacht, die zu schwerwiegenden Krankheiten führen, was von Seiten des Fastenden auch eine Schändung des Monats Ramadan ist, auch wenn das Rauchen, unserer Ansicht nach, nicht zum Fastenbrechen führt.“ Mit anderen Worten, auch wenn Rauchen nicht das Fasten bricht, so ist doch eigentlich schon von sich aus verboten (und bricht damit doch das Fasten).

Weiterführende Literatur:

Kurz, Susanne, Claudia Preckel und Stefan Reichmuth (Hrsg.). 2016. Muslim Bodies. Körper, Sexualität und Medizin in muslimischen Gesellschaften. Berlin: Lit Verlag. 

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