Das Fasten im Monat Ramadan gilt als die dritte Säule des Islam. Es ist eine religiöse Pflicht, eine gottesdienstliche Handlung (‘Ibada auf arabisch). Gläubige Muslime können sich dadurch an Gott annähern. Historisch wird der Monat Ramadan mit der ersten Offenbarung des Koran in Verbindung gebracht, derer sich Muslime in der Fastenzeit ebenfalls erinnern. Dieses Ereignis wird im Koran selbst erwähnt:

„Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten […]“ (Sure 2:185).

Ramadan

Funktion des Fastens

Das übergreifende Ziel des Fastens ist eine Annäherung an Gott. Es gilt, sich von Versündigungen zu reinigen. Der Prophet Muhammad hat in einer Überlieferung auf diesen Aspekt hingewiesen: „Wer immer im Monat Ramadan aus reinem Glauben und in der Hoffnung auf Allahs Lohn fastet, dem werden alle seine vergangenen Sünden vergeben.“ (nach Buchari)

Die Reinigung durch Fasten hat wenigstens zwei Aspekte: einen körperlichen und einen geistigen. Fasten bedeutet zunächst, sich des Essens, Trinkens, Rauchens und des Geschlechtsverkehrs zu enthalten, also die körperlichen Triebe zu kontrollieren. Des Weiteren sollte man sich bemühen, die Zunge im Zaum zu halten und beleidigende oder negative Ausdrücke zu vermeiden. Außerdem gilt es, die Blicke zu kontrollieren und abzuwenden von allem, was Begierden weckt. Ebenso sollten die Ohren sich nicht bewusst Sündhaftes anhören.

Durch diese Art der Kontrolle der Triebe kann erreicht werden, dass sich die Fastenden eher auf Spirituelles anstelle von körperlichen und weltlichen Belangen konzentrieren. Die eigenen Begierden, Ärger oder Trägheit können so in ihre Grenzen verwiesen werden. Zudem bekommen Fastende dadurch eine Vorstellung davon, was es bedeutet Hunger leiden zu müssen, was nicht nur die Solidarität mit den weniger Begünstigten, sondern auch die Dankbarkeit Gott gegenüber für das eigene Beschenktsein von Gott verstärken kann.

Von der individuellen Ebene ganz abgesehen hat das Fasten im Monat Ramadan auch eine ausgeprägte soziale Komponente, da das Fasten nach Sonnenuntergang meist gemeinschaftlich gebrochen wird. In muslimischen Mehrheitsgesellschaften herrscht nach Sonnenuntergang oft Trubel und Ausgelassenheit auf den Straßen.

Regeln des Fastens

Wie während des Monats Ramadan gefastet werden soll, ist im Koran und in den prophetischen Überlieferungen ziemlich genau vorgeschrieben. Zum einen wird die tägliche Dauer des Fastens von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang festgelegt: „Und esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen Faden von einem schwarzen Faden unterscheidet. Dann haltet das Fasten streng bis zur Nacht“ (Sure 2: 187). Umgekehrt kann dann von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang des nächsten Tages das Fasten gebrochen werden.

Die Pflicht zu fasten betrifft alle geistig zurechnungsfähigen Muslime, Männer und Frauen. Meist wird das Erreichen der Pubertät als Kriterium der religiösen Mündigkeit herangezogen. Ab dann wird Fasten zur religiösen Pflicht.

Ausgenommen von der Fastenpflicht sind Kranke, schwangere und menstruierende Frauen und Menschen, die auf Reisen sind. Sie können das Fasten zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Auch dies ist im zweiten Teil der oben erwähnten Koransure festgehalten: „[…] Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) - Gott will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen - damit ihr die Frist vollendet und Gott rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.“ (2:185). Der Vers davor bietet noch eine weitere Ausnahme bzw. Ersatzhandlung an: […] Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!“ (2: 184).

Wann ist Ramadan?

Der Fastenmonat Ramadan verschiebt sich im Sonnenkalender jedes Jahr um etwa 10 Tage. Das liegt daran, dass das islamische Jahr aus zwölf Monaten zu 29 oder dreißig Tagen besteht, im Gegensatz zum Sonnenjahr, dessen Monate 30 bis 31 Tage lang sind. Jeder Monat im Mondkalender entspricht einem Mondzyklus von Neumond zu Neumond, darum wird auch vom islamischen Mondjahr gesprochen. Das islamische Mondjahr ist meist zehn bis elf Tage kürzer als das geläufige Sonnenjahr. Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondjahr. Durch die Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr kommt es zu einer jährlichen Verschiebung des Monats Ramadan im Kalender des Sonnenjahres.

Der Anfang und das Ende eines Monats im Mondjahr richten sich jeweils nach dem Neumond, also dem Tag, an dem der Mond gar nicht zu sehen ist bzw. die erste dünne Mondsichel des zunehmenden Mondes wieder sichtbar wird.
Das Sichten dieser Mondsichel ist besonders für den Fastenmonat Ramadan von Bedeutung, da es den Beginn und das Ende der Fastenperiode signalisiert. Nach dem Sichten der Mondsichel am Ende des Monats Ramadan stehen meist mehrtägige Festivitäten.

Weiterführende Literatur:

Grünert, Angela und Christel Becker-Rau. 2001. Ramadan. Fasten mit allen Sinnen. München: Knesebeck.

Spuler-Stegmann, Ursula. 2017. Die 101 wichtigsten Fragen. Islam. München: C.H.Beck.
Shepard, William. 2009. Introducing Islam. London: Routledge.

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