Im Islam gibt es einige Bekleidungsvorschriften, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen. Einige davon sind im Koran zu lesen, andere finden sich in den Überlieferungen des Propheten Muhammad. Eine besonders viel zitierte Vorschrift ist die des Kopftuches für muslimische Frauen.

Die im Koran erwähnten Schleier „Chimar“, der Vorhang „Hidschab“ und das Gewand „Dschilbab“ werden oft als Bekleidungsvorschrift für die gläubige Frau interpretiert. Wir werden uns diese Stellen gemeinsam etwas näher anschauen.

Kopftuch

Chimar

In der Sure 24, Verse 30-31 wird der Chimar ausführlich beschrieben.
„Sag den gläubigen Männern, sie sollen (statt jemanden anzustarren, lieber) ihre Augen niederschlagen und ihre Keuschheit bewahren. So halten sie sich am ehesten sittlich (und rein). Allah ist wohl darüber unterrichtet, was sie tun.

Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen (statt jemanden anzustarren, lieber) ihre Augen niederschlagen und ihre Keuschheit bewahren, den Schmuck, den sie (am Körper) tragen, nicht offen zeigen, soweit er nicht (normalerweise) sichtbar ist, ihren Schal sich über den (vom Halsausschnitt nach vorne heruntergehenden) Schlitz (des Kleides) ziehen und den Schmuck, den sie (am Körper) tragen, niemandem offen zeigen, außer ihrem Mann, ihrem Vater, ihrem Schwiegervater, ihren Söhnen, ihren Stiefsöhnen, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und ihrer Schwestern, ihren Frauen, ihren Sklavinnen, den männlichen Bediensteten, die keinen Geschlechtstrieb (mehr) haben, und den Kindern, die noch nichts von weiblichen Geschlechtsteilen wissen. Und sie sollen nicht mit ihren Beinen aneinanderschlagen und damit auf den Schmuck aufmerksam machen, den sie (durch die Kleidung) verborgen (an ihnen) tragen. Und wendet euch allesamt (reumütig) wieder Allah zu, ihr Gläubigen Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.“

Es ist der einzige Vers im Koran, in dem es ausdrücklich um den Schleier „Chimar“ geht. Der Chimar wurde damals als Schmuck, lose über dem Nacken bis tief auf den Rücken getragen. Die Frauen (und Männer auch) trugen Kleider mit einer weiten Öffnung vorne, da es noch keine Knöpfe gab und somit war die Brust unbedeckt.

Der Anlass dieser Offenbarung war ein Besuch bei Asma, der Tochter von Murtad, bei der die Frauen in ihren traditionellen Kleidern kamen und dies soll Asma angeekelt haben.

Das Gebot des „sittlichen“ Benehmens richtet sich an alle Gläubigen. Mehr noch, es werden zuerst die Männer angesprochen, sich sittlich zu benehmen. In diesen Versen geht es um die Etablierung eines neuen Schamgefühls für die Zivilisation.

Hidschab

Auch Sure 33, Vers 53 wird gerne für die Bekleidungsvorschrift herangezogen.
„Ihr Gläubigen! Betretet nicht die Häuser des Propheten, ohne dass man euch (wenn ihr) zu einem Essen (eingeladen seid) Erlaubnis erteilt (einzutreten). Und wartet nicht (erst) auf die Zubereitung. Tretet vielmehr (erst) ein, wenn ihr (herein) gerufen werdet! Und geht wieder eurer Wege, wenn ihr gegessen habt, ohne zum Zweck der Unterhaltung auf Geselligkeit aus zu sein (und sitzen zu bleiben)! Damit fallt ihr dem Propheten (immer wieder) lästig. Er scheut sich aber vor euch (und sagt nichts). Doch Allah scheut sich nicht, (euch hiermit) die Wahrheit zu sagen. Und wenn ihr sie (die Gattinnen des Propheten) um (irgend) etwas bittet, das ihr benötigt, dann tut das hinter einem Vorhang [Hidschab]! Auf diese Weise bleibt euer Herz und ihr Herz eher rein. Und ihr dürft den Gesandten Allahs nicht belästigen und seine Gattinnen, wenn er (einmal) nicht mehr da ist, in alle Zukunft nicht heiraten. Das würde bei Allah schwer wiegen.“

Der Offenbarungsanlass dieser Ayat ist die Hochzeit Muhammads. Als Muhammad nach dem Hochzeitsessen aufstand, seien alle Gäste bis auf drei, gegangen. Daraufhin verließ Muhammad den Raum, aber die Leute blieben. Muhammad kam erst später wieder zurück, als alle Gäste sein Haus verlassen hatten. Damals hatten die einfachen Häuser keine Trennwände, die Bereiche waren nur durch Vorhänge getrennt.
In diesem Vers geht es um den Schutz der Privatsphäre Muhammads. Viele Menschen suchten Rat bei ihm und kamen in seine privaten Räume. Nach der Offenbarung war es den Menschen nicht erlaubt, ohne die Erlaubnis Muhammads in sein Haus einzutreten. Der Vorhang „Hidschab“ dient zum Schutz der räumlichen Trennung der privaten Bereiche.

Hidschab kommt im Koran achtmal vor (7:46, 33:53, 38:32, 41:5, 17:45, 19:17, 83:15). Er hat nirgends die Bedeutung eines Bekleidungsgegenstandes, eines Schleiers!

Dschilbab

Das Gewand „Dschilbab“ wird in der Sure 33, Vers 59 erwähnt:

„Prophet! Sage deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten), sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, daß sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden. Allah aber ist barmherzig und bereit zu vergeben.“

Der Offenbarungsanlass dieser Sure war: Die Frauen des Propheten gingen nachts hinaus, um ihre Notdurft zu verrichten. Sie wurden von fremden Männern belästigt, die sie anscheinend mit Sklavinnen verwechselten. Zu dieser Zeit trugen freie Frauen eine Kopfbedeckung, um ihren sozialen Stand zu zeigen. Diese Bekleidungsart war damals bei den freien Jüdinnen und Christinnen weit verbreitet. Die Musliminnen wurden aufgefordert, einen Dschilbab zu tragen, damit sie als freie Frauen von den Sklavinnen unterschieden werden konnten und damit nicht belästigt werden durften. In dieser Ayat geht es um den Schutz der Frau und die Kopfbedeckung als Symbol ihres sozialen Status.

Weiterführende Literatur:

Katajun Amirpur/Lidwi Ammann(HG): Der Islam am Wendepunkt. Bundeszentrale für politische Bildung 2006

Ralf Ghadban: Das Kopftuch in Koran und Sunna. Das Frauenbild hinter dem Kopftuch. Bundeszentrale für politische Bildung 2005

Tariq Ramadan: Der Islam und der Westen. Von der Konfrontation zum Dialog der Zivilisationen. Köln 2000?

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