Die Ehe gehört im Islam zu den bedeutendsten gesellschaftlichen Institutionen, die nachdrücklich im Koran und vom Propheten Muhammad empfohlen wird. So heißt es zum Beispiel im Koran: "Und es gehört zu seinen Zeichen, dass Er aus euch selber Partner erschuf, auf dass ihr Frieden bei Ihnen findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt." (Sure 30:21) und "Sie (eure Ehefrauen) sind euch (wie) eine Bekleidung, und ihr seid ihnen (euren Ehefrauen) (wie) eine Bekleidung." (Sure 2: 187). Auch in den Überlieferungen des Propheten wird die Wichtigkeit der Ehe sehr deutlich: "Die Heirat ist mein Weg. Wer meinen Weg vernachlässigt und nicht beschreitet, ist nicht von mir.“ (nach Ibn Majah) und „Wer heiratet wahrt damit die Hälfte seiner Religion“.

Hochzeit

Eine muslimische Ehe wird durch einen schriftlichen Vertrag besiegelt und muss vor mindestens zwei Zeugen und einem religiösen Experten, wie beispielsweise einem Imam, geschlossen werden. Die Braut erhält, je nach wirtschaftlicher Lage des Bräutigams, eine Morgengabe (mahr), die sächlicher oder finanzieller Natur sein kann. Jenseits dieser grundlegenden Voraussetzungen einer islamischen Eheschließung bestehen zum Teil große kulturelle Unterschiede in den Hochzeitsfeierlichkeiten. Sie werden von den religiösen Quellen nicht weiter spezifiziert. Hochzeitsfeierlichkeiten können, je nach kulturellen Traditionen, zwischen einem Tag und zwei Wochen in Anspruch nehmen. Folgende Aspekte finden sich bei vielen muslimischen Hochzeiten wieder.

1. Öffentlich-machen

Der Zweck der Eheschließung ist vor allem das Öffentlich-machen der Verbindung der Eheleute. Wie in den meisten Kulturen der Welt dienen die Hochzeitsfeierlichkeiten weniger den Eheleuten selbst als vielmehr der umgebenden Gesellschaft als Zeichen dafür, dass Braut und Bräutigam von nun an rechtlich, moralisch, emotional und gesellschaftlich zusammengehören. Dementsprechend hat Muhammad auch angemahnt, man solle eine Hochzeit öffentlich verkünden und nicht etwa geheim halten (nach Tirmidhi).

2. Das Hochzeitsessen

Ein Hochzeitsessen zu veranstalten gehört in den meisten Kulturen, so auch in muslimisch geprägten, zu einer Eheschließung. Muhammad forderte Abdurrahman ibn Awf, nachdem dieser ihm von seiner Heirat berichtet hatte dazu auf, ein Hochzeitsmahl zu veranstalten, selbst wenn es nur mit einem einzigen geschlachteten Schaf sei (nach Bukhari). Ein Hochzeitsmahl wird demnach als unumgänglich betrachtet, sollte sich im Umfang jedoch an den finanziellen Möglichkeiten der Brautleute orientieren.

3. Gäste

Die Zahl der Gäste, die zu einer Hochzeit eingeladen werden, richtet sich einerseits nach der Größe der Verwandtschaft und andererseits an den finanziellen Möglichkeiten und der gesellschaftlichen Stellung der Brautleute. Muhammad gab jedoch bestimmte Normen für Einladungen vor. Zum einen solle niemand aufgrund niedriger sozialer Position ausgeschlossen werden, zum anderen sollte man keine Einladung ausschlagen (um dadurch die mit der Einladung verbundene Hochzeitsgabe zu umgehen). Er mahnte: “Das schlechteste Mahl ist das Hochzeitsmahl, zu dem die Reichen eingeladen werden und bei dem die Armen ausgelassen werden, und wer die Einladung (zu einem Hochzeitsmahl) ausschlägt, der ist Allah und Seinem Gesandten ungehorsam. (nach Bukhari und Muslim).

4. Trennung von Männern und Frauen

In vielen muslimisch geprägten Kulturen feiern Männer und Frauen getrennt. Dabei haben die Feierlichkeiten der beiden Gruppen oft sehr unterschiedlichen Charakter. Eine solche Trennung wird meist mit Koranversen begründet, die schamhaftes Verhalten anmahnen: „Sag zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten (…).“ (Sure 24:30) und „Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten (…) (Sure 24:31).  Sowohl in der Vergangenheit als auch zunehmend wieder in Gegenwart feiern Männer und Frauen gemeinsam bei Hochzeiten.

5. Musik und Unterhaltung

Die meisten muslimischen Hochzeitsfeierlichkeiten werden mit Musik und anderer Unterhaltung in verschiedenem Maße untermalt. Die Bandbreite reicht hier, meist abhängig von den finanziellen Möglichkeiten, von Live-Musik über Konserven bis hin zu lediglich Schlaginstrumenten. Dazu wird meist getanzt. Muhammad selbst hat die Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem in dieser Hinsicht beim Tamburin und der menschlichen Stimme gezogen (nach Tirmidhi). Demnach wäre das Rezitieren von Poesie auch als Unterhaltung angebracht. Viele Muslime sehen in diesem Ausspruch jedoch auch ein Verbot von Musik und Tanz.

6. Alkohol

Obwohl bei vielen Hochzeitsfeierlichkeiten Alkohol eine große Rolle spielt, wird er bei muslimischen Hochzeiten meist nicht ausgeschenkt, da Alkoholkonsum für Muslime generell als verboten eingestuft wird. Von Muhammad wird überliefert:„Jedes Getränk, das berauscht, ist verboten“. Auch im Koran wird erwähnt: „Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind (ein wahrer) Gräuel und Teufelswerk. Meidet es! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.“ (Sure 5:90).

7. Verschwendung vermeiden

Obwohl Hochzeitsfeiern oft mit dem gesellschaftlichen Prestige im Hinterkopf ausgerichtet werden, sind Muslime, wie auch im alltäglichen Leben, bei Hochzeitsfeierlichkeiten aufgerufen nicht verschwenderisch zu sein. Im Koran und auch von Muhammad wird von der Verschwendung und dem Übermaß aller Dinge abgeraten: „Esst und trinkt, kleidet euch und spendet. Aber hütet euch vor der Verschwendung.“ (nach Bukhari) Auch im Koran finden wir ein Vers dazu: „Und seid nicht verschwenderisch; siehe, er (Gott) liebt die Verschwender nicht.“ (Vers 6:141).

Selbst bei Einhaltung dieser islamischen Normen sind muslimische Hochzeitsfeierlichkeiten in ihrer Ausprägung sehr stark kulturabhängig, so dass von „der“ muslimischen Hochzeit nicht gesprochen werden kann. Es sollte aber auf jeden Fall ein freudiges Ereignis sein.

 

Weiterführende Literatur:

Neirukh, Muna. 2013. Palästinensische Hochzeitsbräuche. Das Beispiel der Hochzeitsbräuche palästinensischer Dörfer. Saarbrücken: Akademiker Verlag.

Rosenbaum, Johannes. 2017. Die islamische Ehe in Südasien. Zeitgenössische Diskurse zwischen Recht, Ethik und Etikette. Würzburg: Ergon.

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