Die Pilgerfahrt nach Mekka heißt auf Arabisch „Hadsch“. Die Hadsch kann nur zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt werden und folgt bestimmten rituellen Handlungen. Sprachlich übersetzt bedeutet es das „Zielen bzw. Beabsichtigen“. Das Pilgern nach Mekka gehört zu den fünf Säulen des Islams. Im Koran wird darauf hingewiesen, die Pilgerfahrt für Gott einmal im Leben zu vollziehen, wenn man finanziell und gesundheitlich in der Lage ist (vergleiche Sure 2: 196-203; Sure 3: 96-97).

Hadsch

Rituelle Handlungen während der Pilgerfahrt

Die Wallfahrt beginnt mit der ersten rituellen Handlung, in dem der Ihram-Zustand eingenommen wird. Dieser Zustand bedeutet, dass die Vorgaben, welche beispielsweise die Kleidung und das Verhalten anbelangen, beachtet werden müssen. Männer tragen schlichte weiße Tücher, die den Ober-und Unterkörper bedecken. Für Frauen ist keine spezielle Kleidungsvorschrift vorgesehen, außer, dass das Gesicht nicht bedeckt werden darf. Jedoch tragen auch Frauen häufig schlichte weiße Kleidung. Die Kleidung hebt die Gleichheit aller Menschen vor Gott hervor, unabhängig ihrer Herkunft oder ihres Vermögens.

Wichtig beim Eintritt in den Ihram-Zustandes ist es, eine reine Absicht zu fassen, d.h. die Pilgerfahrt für Gott durchzuführen, sich der Vorschriften bewusst zu werden und die Riten auf die Art und Weise durchzuführen, wie es der Prophet Muhammad gezeigt hat. Die größte Herausforderung im Ihram-Zustand stellt das Verhalten dar. Alles, was der inneren Ruhe und dem Gottesdienst zuwiderläuft, ist nicht erlaubt, wie zum Beispiel Aggression, Streitigkeiten, Lästereien usw. Bedenkt man die große Anzahl und die Heterogenität der Menschen, die zum gleichen Zeitpunkt sich an den Pilgerorten in Mekka befinden, ist dies eine überwältigende Aufgabe.

Wichtige Stationen während der Pilgerfahrt sind das siebenmalige Umkreisen der Kaaba (Tawaf), Aufenthalt am Arafaat (in der Nähe von Mekka), das Laufen zwischen den Hügeln as-Safa und al-Marwa (in Erinnerung an das Ereignis mit Hagar und Ismail, die zwischen diesen Hügeln liefen, um Wasser zu finden), der Aufenthalt in Muzdalifa (in der Nähe von Mekka), Bewerfen der Mauern mit Steinchen (symbolisch für das Bewerfen des Satans in Erinnerung an das Ereignis zwischen Abraham und dem Satan), die Übernachtung in Mina (in der Nähe von Mekka) und als Abschluss, am Tag des Opferfests, die Schlachtung eines Tieres.

Obwohl der Besuch der Stadt Medina keine Bedingung für die Erfüllung der Pilgerfahrt darstellt, begeben sich die meisten Pilger dorthin, um unter anderem die Prophetenmoschee zu besichtigen.

Spirituelle Seite der Pilgerfahrt

Die Spiritualität ist die Basis für die Pilgerfahrt. Der Prophet sagte: „Wer die Pilgerfahrt (Hadsch) vollzogen hat, ohne dabei zu freveln oder zu sündigen, kehrt (sündenfrei) zurück, wie am Tage als seine Mutter ihn geboren hat“ (überliefert von Bukhari und Muslim). Diese Aussage motiviert und sensibilisiert die Muslime dazu, besonders bei der Pilgerfahrt, das eigene Verhalten zu reflektieren, den inneren Schweinehund zu zügeln und sich zu besinnen. Die Kunst liegt darin, wenn man das Verhalten während der Pilgerfahrt verbessert hat, es nicht in Mekka zurückzulassen, sondern nach Hause mitzunehmen.

An allen Stationen, die während der Wallfahrt besucht werden, werden stets Bittgebete gesprochen, aus dem Koran rezitiert, gebetet und an Gott gedacht. Den weltlichen und materiellen Dingen im Leben wird der Rücken gekehrt. Die Gedanken sollten sich allein auf das Transzendente fokussieren.

Bei der Pilgerfahrt erklären die Führer einzelner Gruppen Geschichten aus der Prophetenbiografie (Sira), was sich an den einzelnen Plätzen einst zugetragen hat. Das Sehen und Erleben der Orte, an denen sich der Prophet und seine Gefährten aufgehalten haben, wie am Berg Licht (Nour) in Mekka, in dessen Höhle Hira der Prophet Muhammad die erste Offenbarung erhalten hat, werden von vielen Muslimen als spiritueller Höhepunkt bezeichnet.

Hadsch im Lebenslauf

Manche junge Muslime ziehen es aus unterschiedlichen Gründen vor, die Hadsch ins hohe Alter zu verschieben, obwohl sie die finanzielle und gesundheitliche Voraussetzungen zur Durchführung der Pilgerfahrt erfüllen. In der islamischen Welt hat sich die Tradition etabliert, diejenigen, die die Hadsch vollzogen haben „Hadschi“ zu nennen. Diese Anrede ist eine Form der Respektsbezeugung und steht meist nur älteren Menschen zu. Selbst alte Menschen, die die Pilgerfahrt noch nicht begangen haben, werden als „Hadschi“ (Mann) oder „Hadscha“ (Frau) angesprochen, in der Annahme, dass man im hohen Alter aller Wahrscheinlichkeit die Hadsch vollzogen hat.

Weiterführende Literatur:

Trojanow, Ilija. 1999. Zu den heiligen Quellen des Islam. Als Pilger nach Mekka und Medina. Berlin: National Geographic.

Denffer, Ahmad von. 1987. Wallfahrt nach Mekka. Das Wichtigste über umra und hadsch. Köln: Islamische Gemeinschaft Deutschland.

Spohr, Hagar. 1998. Die Reise nach Mekka. Eine deutsche Frau erzählt von ihrer Pilgerfahrt ins Herz des Islam. Lympia: Spohr.

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