In den meisten Moscheen auf der Welt halten sich Männer und Frauen in getrennten Abteilen auf. Diese Geschlechtertrennung kann verschiedene Formen annehmen: „Balkone“ oder Galerien für Frauen, Vorhänge, Gitter oder Wände, die Männer und Frauen auf derselben Ebene trennen, getrennte Eingänge für Männer und Frauen.

Geschlechtertrennung in der Moschee

Geschlechtertrennung in Gotteshäusern

Eine Trennung der Geschlechter ist den Gotteshäusern von vielen Religionen üblich. So gibt es beispielsweise in jüdischen Synagogen Männer- und Frauenbereiche (Emporen), die voneinander getrennt sind.  Auch in christlichen Kirchen ist häufig noch eine Geschlechtertrennung, wenn auch weniger strikt, zu beobachten. In buddhistischen und Sikh-Tempeln sind Frauen und Männer ebenfalls räumlich voneinander getrennt.

In anderen Gotteshäusern gibt es keine Geschlechtertrennung. So feiern in vielen protestantischen Kirchen, in Synagogen des Reformjudentums, oder in Cem-Häusern der Aleviten Männer und Frauen gemeinsam Gottesdienst.

Stören Frauen?

Zur Begründung der Geschlechtertrennung in Gotteshäusern, so auch in Moscheen, wird oft angeführt, dass sich die Betenden vollkommen auf Gott konzentrieren sollten und dass dies Männern in der Anwesenheit von Frauen nicht gelänge. Der Anblick einer Frau löse Triebe aus, die von der eigentlichen Absicht des Gebets ablenkten.

Es kann natürlich auch davon ausgegangen werden, dass eine Geschlechtertrennung, die den Alltag einer Gesellschaft prägt, sich auch in den Gotteshäusern fortsetzt. Die nahöstlichen Gesellschaften, in denen Judentum, Christentum und Islam entstanden sind, kannten und kennen bis heute Geschlechtertrennungen im alltäglichen Leben. Selbst die Zelte der Beduinen der arabischen Halbinsel waren und sind oft bis heute durch einen Vorhang in einen Männer- und einen Frauenteil aufgeteilt.

Theologische Grundlagen der Geschlechtertrennung

Als koranische Grundlage der Geschlechtertrennung in Moscheen wird oft der Vers angegeben, der besagt, dass „… wenn ihr sie (die Gattinnen des Propheten) um (irgend) etwas bittet, das ihr benötigt, dann tut das hinter einem Vorhang!“ (33: 53). Die hier angesprochene Trennung bezieht sich zunächst auf das Privathaus des Propheten Muhammad und ist eingebettet in Richtlinien für Besuche bei ihm. Darüber hinaus gibt der Koran keine weiteren Anweisungen zur Geschlechtertrennung. Selbst die Hadithliteratur ist in dieser Hinsicht wenig konkret. Erst  in späteren Werken muslimischer Gelehrter werden Interpretationen angeboten, die die Trennung von (nicht-verwandten) Männern und Frauen im öffentlichen und privaten Raum anmahnen.


Diese historische Entwicklung deutet sich auch in der Vermutung an, dass die Geschlechtertrennung in Moscheen von anderen Religionsgemeinschaften, allen voran Juden und byzantinischen Christen, übernommen wurde und sich erst im Laufe der Zeit etabliert hat. Es gibt Hinweise dafür, dass eine strikte Geschlechtertrennung zu Zeiten des Propheten Muhammad nicht üblich war, obwohl auch schon in der Prophetenmoschee in Medina die Frauen im hinteren Teil (auf derselben Ebene wie Männer) ihr Gebet verrichteten.

Heutzutage findet man Rechtsgutachten, die eine strikte Geschlechtertrennung sowohl in Moscheen als auch sonst wo fordern, als auch Rechtsgutachten, die diese ablehnen. Gegenwärtige Islamwissenschaftler und Denker, wie Fatima Mernissi, Tariq Ramadan oder Hasan Turabi, vertreten die These, dass der Islam eine Geschlechtertrennung nicht vorgesehen habe, sie jedoch aus kulturellen Gründen zur Konfliktvermeidung und aus Furcht vor der sexuellen Macht der Frauen etabliert wurde. Der ägyptische Reformer des 19. Jahrhunderts, Qasim Amin, ging sogar soweit, die Segregation der Frauen als den „Hauptgrund für die Rückständigkeit der islamischen Welt“ zu bezeichnen.

Weiterführende Literatur:

Walther, Wiebke. 2005. „Die Situation von Frauen in islamischen Ländern“, in: Walter Ende und Udo Steinbach (Hrsg.). Der Islam in der Gegenwart. München: C.H.Beck, S. 635-80.

Mernissi, Fatima. „The meaning of spatial boundaries“, in: Reina Lewis and Sara Mills (ed.). Feminist Postcolonial Theory. A Reader. London: Routledge, S. 489-501
Ramadan, Tariq. 2009. Radikale Reform. Die Botschaft des Islam für die moderne Gesellschaft. München: Diederichs.

Behrens, Marcel. 2007. „Ein Garten des Paradieses“. Die Prophetenmoschee von Medina. Ergon Verlag. Würzburg.

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