Gelatine ist heute Bestandteil vieler Nahrungsmittel. Sie wird verwendet zur Produktion von Süßwaren wie Gummibärchen und Gelees, von Milchprodukten wie Joghurt und von Säften. Auch in Medikamenten findet Gelatine Verwendung, z.B. bei der Herstellung von Kapseln. Es ist nicht immer klar zu erkennen bzw. gekennzeichnet, ob zur Herstellung eines Produktes Gelatine verwendet wurde. Da Gelatine aus Schlachtabfällen, darunter auch von Schweinen, erzeugt wird und Schweine im Islam als unrein bzw. zum Verzehr ungeeignet gelten, hat sich Gelatine zu einem Thema entwickelt, das unter Muslimen kontrovers diskutiert wird.

Gelatine

Erlaubte Gelatine

Nicht alle Gelatine ist Muslimen verboten. Der Verzehr von Gelatine, einem Protein, ist dann erlaubt, wenn diese aus der Haut, dem Bindegewebe und/oder den Knochen von islamisch erlaubten und nach islamischen Vorschriften geschlachteten Tieren stammt. Rindergelatine stellt demnach kein Problem für muslimische Verbraucher dar, wenn sichergestellt werden kann, dass die Rinder nach islamischen Vorschriften geschlachtet wurden. Aus dieser Regelung lässt sich ableiten, dass umgekehrt Gelatine vom Schwein oder von anderen nicht geschächteten Tieren Muslimen nicht zum Verzehr gestattet sind.

Hierfür gibt es jedoch Ausnahmen. Wird die chemische oder physikalische Beschaffenheit so verändert, dass es nicht mehr in einem natürlichen Zusammenhang mit nicht erlaubten Tieren steht, so ist einigen muslimischen Gelehrten zufolge der Verzehr von Gelatine aus Schweineprodukten und nicht-geschächteten Tieren erlaubt. Die Umwandlung von Gelatine aus islamischer Sicht muss eine völlige Umkehrung der natürlichen Struktur und Eigenschaften aufweisen. Demnach darf die neugewonnene Substanz keine Ähnlichkeiten mehr zum Original haben. Dass diese Umwandlung vollständig gelingen kann, bleibt zweifelhaft. Offensichtlich können verschiedene Tests immer noch die Herkunft umgewandelter Gelatine vom Schwein nachgewiesen werden.

Vegane Gelatine

Für viele muslimische Gelehrte kommen also die chemischen und physikalischen Umwandlungsprozesse als Lösung des Gelatine-Problems nicht in Betracht. Aus ihrer Sicht basiert die Gelatine trotz des Transformationsprozesses auf einem unerlaubten Tier. Die Mehrheit gegenwärtiger Gelehrter ist deshalb der Auffassung, dass Gelatine, die vom Schwein gewonnen wird, für gläubige Muslime nicht annehmbar ist.

Inzwischen sind jedoch andere Alternativen vorhanden. Aufgrund des Wandels in Essgewohnheiten und Lebensstilen hin zum Vegetarismus und Veganismus, kommen immer mehr Alternativen zu tierischen Produkten, darunter auch tierische Gelatine, auf den Markt. Viele der Produkte, die bekanntlich Gelatine enthalten, sind inzwischen als „vegan“ ausgezeichnet. Sie enthalten beispielsweise Agar-Agar oder Pektin als Geliermittel. Solche Produkte sind zumindest in Europa und Nordamerika problemlos erhältlich und stellen somit eine ausgezeichnete Alternative zur herkömmlichen Gelatine dar. In vielen muslimisch geprägten Ländern jedoch ist das Angebot weit weniger breit und interessanterweise die Diskussion um das Thema Gelatine auch weit weniger ausgeprägt.

Weiterführende Literatur:

Riaz, Mian N. und Muhammad M. Chaudry. 2003. Halal Food Production. Boca Raton: CRC Press.

Schrode, Paula. 2010. Sunnitisch-islamische Diskurse zur Halal-Ernährung. Würzburg: Ergon.

Röbkes, Marion. 2013. Religion, Ernährung und Gesellschaft. Ernährungsregeln und -verbote in Christentum, Judentum und Islam. Hamburg: Diplomica.

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