Muslimen ist von ihrer Religion keine vegetarische Ernährung auferlegt, jedoch obliegt der Fleischkonsum gewissen Regeln. Durch diese Regeln wird „halal“ (religiös zulässig oder erlaubt) von „haram“ (religiös verboten oder nicht erlaubt) unterschieden. Nicht nur die Ernährung, sondern auch andere Aspekte des alltäglichen Lebens, wie beispielsweise Sexualverhalten, werden auf diese Weise unterschieden. Da Muslime generell ein Leben im Rahmen des islamischen Rechts anstreben, versuchen sie, sich nach den Vorschriften, die im Koran und in den Überlieferungen des Propheten Muhammad gegeben sind, zu ernähren: „Ihr Gläubigen! Esst von den guten Dingen, die wir euch beschert haben! Und danket Gott, wenn ihr ihm dienet!“ (Sure 2: 172; vergleiche auch Sure 2: 168).

Fleisch im Islam

„Halal“ Fleisch

Dabei findet man bereits im Koran Informationen über die Arten der Tiere, deren Verzehr erlaubt ist (Sure 5, Vers 1). Darüber hinaus spielen auch andere Faktoren, wie die Art der Schlachtung des Tieres eine wichtige Rolle: bereits verendete Tiere, Blut, Schweinefleisch und Tiere, über die ein anderer Name als der Name Gottes ausgesprochen wird, gelten als „haram“: „Verboten hat Er euch nur Fleisch von verendeten Tieren, Blut, Schweinefleisch und Fleisch, worüber (beim Schlachten) ein anderes Wesen als Gott angerufen worden ist. Aber wenn einer sich in einer Zwangslage befindet, ohne (von sich aus etwas Verbotenes) zu begehren oder eine Übertretung zu begehen, trifft ihn keine Schuld. Allah ist barmherzig und bereit zu vergeben“ (Sure 2: 173).

Die Art des Todes der Tiere, die zum Verzehr gestattet sind, ist ebenfalls im Koran vorgeschrieben: „[…] was erstickt, (zu Tod) geschlagen, (zu Tod) gestürzt oder (von einem anderen Tier zu Tod) gestoßen ist, und was ein wildes Tier angefressen hat - es sei denn, ihr schächtet es (indem ihr es nachträglich ausbluten lasst) -, und was auf einem (heidnischen) Opferstein geschlachtet worden ist“, ist nicht zum Verzehr erlaubt (Sure 5: 3).

Als einzige legitime Todesart kommt dadurch der Kehlschnitt und das Schächten in Frage. Bei der Schlachtung sollte, laut islamischer Quellen, darauf geachtet werden, dass die Schlachtung ohne Betäubung des Tieres und unter Ausrufen des Namens Gottes stattfindet. Das zu schlachtende Tier sollte mit einem einzigen Schnitt durch die Speiseröhre, Luftröhre und Halsschlagadern getötet werden und das Blut vollkommen ausfließen. Diese Art des Schlachtens entspricht auch jüdischen Vorschriften. Sie soll einen relativ schmerzfreien Tod garantieren, was unter Wissenschaftlern allerdings weiterhin umstritten bleibt. In den meisten europäischen Ländern, so auch in Deutschland, ist diese Art des Schlachtens verboten, da sie gegen das Tierschutzgesetz verstößt, das eine Betäubung vor dem Töten vorschreibt. Ausnahmegenehmigungen für muslimische und jüdische Metzger können erteilt werden, meist wird „halal/koscheres“ Fleisch jedoch aus dem Ausland nach Deutschland importiert.

Ausnahmeregelungen

Wenn kein „halal“ Fleisch zur Verfügung steht, bieten sich zwei Alternativen an: entweder eine vegetarische Ernährung oder der Konsum von Fleisch, das von Nicht-Muslimen auf eine nicht-halal“ Weise geschlachtet wurde. Die Frage, ob es erlaubt sei, Fleisch zu essen, das von „Leuten des Buches“ (Ahl al-kit?b; Bezeichnung für Juden und Christen) geschlachtet wurde, wird von muslimischen Gelehrten bis heute kontrovers diskutiert. Basis der Diskussionen ist folgender Koranvers: „Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt. Und die Speise derer, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, wie auch eure Speise ihnen erlaubt ist […]“ (Sure 5: 5). Der Begriff „Speise“ (?a??m) bezieht sich hierbei auf Schlachttiere.

Die Gelehrten sind sich einig darüber, dass der Verzehr von Fleisch von Tieren, die von „Leuten des Buches“ geschlachtet wurden, generell erlaubt ist. Jedoch gehen die Meinungen über die Bedingungen die dafür erfüllt werden müssen, im Detail auseinander. Nicht die Religionsangehörigkeit des Schlächters ist von Bedeutung, sondern dass das Tier im Namen Gottes und nach islamischen Regeln (ohne Betäubung, Schächten) geschlachtet wird. Sind diese Bedingungen erfüllt, so ist es Muslimen erlaubt das Fleisch von Tieren zu verzehren, die von „Leuten des Buches“ geschlachtet wurden.

Tierwohl

Neben diesen formalen Kriterien gibt es jedoch auch zunehmend muslimische Stimmen, die darauf drängen, nicht nur die Art des Todes, sondern auch das Leben der Tiere zu berücksichtigen. Im Islam spielen der Respekt und das Mitgefühl gegenüber Tieren eine wichtige Rolle. Zu den Kriterien, dass Fleisch als „halal“ deklariert werden darf, sollte eine artgerechte Tierhaltung ebenso dazu gehören. Das Tier sollte während des Transports keine Beschwerden erleiden und sich vor seinem Tod nicht gestresst oder verängstigt fühlen. Während des Schlachtens soll das Tier keine langanhaltenden Schmerzen erleiden und es sollte nicht in Anwesenheit anderer Tiere getötet werden. Dementsprechend setzt das „halal“-Kriterium sehr hohe Standards für den Fleischkonsum für Muslime.

Weiterführende Literatur:

Riaz, Mian N. und Muhammad M. Chaudry. 2003. Halal Food Production. Boca Raton: CRC Press.

Schrode, Paula. 2010. Sunnitisch-islamische Diskurse zur Halal-Ernährung. Würzburg: Ergon.

Röbkes, Marion. 2013. Religion, Ernährung und Gesellschaft. Ernährungsregeln und -verbote in Christentum, Judentum und Islam. Hamburg: Diplomica.

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