Dschihad kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Anstrengung, Bemühung“. Im islamischen Recht, in der islamischen Geschichte, selbst im Koran kommt der Begriff in einer Vielzahl von Bedeutungen vor, militärisch und nicht-militärisch. Zuweilen wird der Dschihad als sechste Säule des Islam bezeichnet, so groß ist seine Wichtigkeit.

Dschihad

Herkunft

Der Begriff Dschihad taucht in verschiedenen Variationen über vierzig Mal im Koran auf, meist im Zusammenhang mit der Formulierung „auf dem Pfad Gottes“. Die Bedeutung des Begriffes reicht von Anstrengen wegen des Glaubens, über Krieg, Druck nichtmuslimischer Eltern auf ihre muslimischen Kinder, Eide bis hin zu körperlicher Stärke.

Die militärische Komponente erscheint meist in Versen, die nach der Auswanderung Muhammads nach Medina offenbart wurden und sich auf die Kämpfe der jungen Gemeinde mit Nichtmuslimen beziehen. Tatsächlich wurde die erste koranische Erlaubnis zum Kampf erst in Medina offenbart, nachdem vorherige Verse zur Zurückhaltung aufgefordert hatten. Diese Entwicklung gipfelte in der Offenbarung des viel zitierten „Schwertverses“: „Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen“ (Sure 9: 5).

In der Hadithliteratur werden diese Ausführungen noch weiterentwickelt. Die gängigen Überlieferungen zum Thema Dschihad sind überwiegend militärischer Natur. In der Hadithsammlung von Bukhari beispielsweise ist festgehalten, dass der Prophet Muhammad nach dem besten Dschihad gefragt wurde und seine Antwort war, dass der beste Dschihad der sei, in dem sein Pferd getötet und sein Blut vergossen werde.

Diese militärischen Auslegungen des Begriffes Dschihad sind in engster Weise mit der historischen Situation der frühen muslimischen Gemeinde und der Beduinentradition der Razzien verknüpft. Eine solche Interpretation war von großer Bedeutung für die Ausweitung des islamischen Einflussgebietes bis ins 9. Jahrhundert n.Chr., wurde dann jedoch zunehmend von sufischen Auslegungen des Begriffes überdeckt. Die spirituelle und moralische Seite des Kampfes wurde stärker hervorgehoben, nachdem die territoriale Expansion des muslimischen Einflussgebietes stagnierte. Der Dschihad wurde aus der Gegenwart in die Endzeit verschoben.

Kleiner und großer Dschihad

Muslimische Gelehrte unterschieden schon seit frühester Zeit zwischen großem und kleinem Dschihad. Diese Unterscheidung geht auf eine Überlieferung des Prophetengefährten Jabir Ibn Abdallah zurück, die zwar als schwach klassifiziert wird, aber großen Einfluss auf spätere Denker nahm.

Der große Dschihad beschreibt die Überwindung der eigenen niederen Bedürfnisse, die Bemühungen, durch Geduld, Selbstreflexion und Disziplin ein besserer Mensch zu werden. Der große Dschihad richtet sich gegen das Selbst. Muslimische Theologen unterscheiden hier zwischen einem Dschihad des Herzens (innerer spiritueller Kampf), einem verbalen Dschihad (Sprechen der Wahrheit) und einem Dschihad durch Taten (moralisch richtiges Verhalten).

Der kleine Dschihad hingegen wird militärisch ausgelegt und richtet sich gegen externe Gegner. Er wird als religiöse Pflicht verstanden, im Koran wird denen, die nicht daran teilnehmen, mit dem Höllenfeuer gedroht. Als Legitimierung eines solchen Krieges wird meist Verteidigung nach außen oder Verfolgung von Muslimen intern angenommen. Welche Art von Dschihad wichtiger ist, wird unterschiedlich ausgelegt. Die Liste der Arten von Dschihad ist inzwischen ausgeweitet worden und schließt Bildungsdschihad, Missionierungsdschihad, intellektuellen, wirtschaftlichen und sexuellen Dschihad ein.

Dschihad heute

Heute wird Dschihad in allen seinen Varianten propagiert und praktiziert. Die militärische Variante ist jedoch erst vor nicht allzu langer Zeit wieder ins Spiel gekommen. Noch als der osmanische Kalif während des ersten Weltkrieges zum Dschihad gegen die westlichen Alliierten aufrief, wurde ihm kaum Folge geleistet.

Allerdings haben muslimische Reformer im 19. Jahrhundert begonnen, das Konzept des „Dschihad“ für antikolonialistische Kämpfe wiederzubeleben. In der Folge wurde viele Auseinandersetzungen, oft gegen „westliche“ Gegner, als Dschihad bezeichnet, wie beispielsweise der Krieg im Iraq, in Afghanistan, Bosnien, Palästina, Chechenien oder Syrien.

Muslime heute haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Bedeutung des Begriffes Dschihad, teilweise beeinflusst von der sozio-politischen Situation, in der sie leben und aufgewachsen sind. Es ist schwer auszumachen, welche Art der Interpretation (groß/intern oder klein/extern) überwiegt.

Weiterführende Literatur:

Struwe, Gerhard.2004. Der Islam – Zwischen Toleranz und Fundamentalismus. Augsburg: Auer Verlag.

Amirpur, Katajun.2013. Den Islam neu denken. Der Dschihad für Demokratie, Freiheit und Frauenrechte. München: C.H.Beck.

Schreiner, Klaus. 2008. Heilige Kriege. Religiöse Begründungen militärischer Gewaltanwendung: Judentum, Christentum und Islam im Vergleich. Oldenbourg: De Gruyter. 

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