Der Koran ist das heilige Buch der Muslime und bildet die Grundlage des Islams.

Das arabische Wort "Koran" bedeutet "Lesung", "Vortrag", "Rezitation".

Wenn man den Koran als Buch betrachtet, hat es etwa 600 Seiten und besteht aus 114 Suren (Kapiteln) mit über 6000 Versen. Die Suren sind, mit wenigen Ausnahmen, der Länge nach angeordnet, beginnend mit der längsten (nach der Eröffnungssure) und endend mit der kürzesten.

Der Koran

Koran als Wort Gottes

Nach dem Glauben der Muslime entha?lt der Koran die Offenbarung, d.h. die wörtliche Verkündigung Gottes an den Propheten Muhammad, übertragen durch den Engel Gabriel. Diese Offenbarung geschah portionsweise über einen Zeitraum von etwa 23 Jahren hinweg. Im Jahr 610 n.Chr. erhielt Muhammad seine erste Offenbarung, im Koran festgehalten in Sure 96: „Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, den Menschen aus einem Blutklumpen erschaffen hat!“ (Sure 96: 1-2). Zu unterschiedlichen Anlässen, in verschiedenen Situationen und auf unterschiedliche Weise erhielt Muhammad daraufhin weitere Offenbarungen, die nicht zusammenhängend sind. Die Offenbarung des Koran wird als Fortsetzung einer Tradition von göttlichen Offenbarungen gesehen: „Er (Gott) hat die Schrift mit der Wahrheit auf dich herabgesandt als Bestätigung dessen, was (an Offenbarungsschriften) vor ihr da war. Er hat auch die Thora und das Evangelium herabgesandt“ (Sure 3: 3).

Entstehung des Koran 

Die einzelnen Offenbarungen wurden von den Anhängern Muhammads zunächst vor allem auswendig gelernt und mündlich weitergegeben. Da die Kultur der arabischen Halbinsel des 7. Jahrhunderts n.Chr. hauptsächlich eine orale war und wenig Schriftmaterial vorhanden war, wurden zunächst nur wenige der Offenbarungen schriftlich festgehalten. Nach dem Tode des Propheten Muhammad 632 n.Chr. begann man jedoch, die einzelnen Offenbarungsfragmente zusammenzusammeln und zu verschriftlichen. Unter dem dritten Kalifen ‘Uthman schließlich wurde eine verbindliche Version des Koran erstellt und alle anderen Fragmente vernichtet. Diese Version wurde bis heute weiter tradiert. Sie ist in der arabischen Hochsprache der arabischen Halbinsel des 7. Jahrhunderts verfasst und wird in dieser Form in der Liturgie verwendet. Übersetzung geben immer nur die ungefähre Bedeutung des Originals an, können dies jedoch nie zu rituellen Zwecken ersetzen.

Inhalte des Koran

Der Koran ist nicht leicht zu lesen. Er enthält nur wenige „Geschichten“, die sich zur einfachen Lektüre anbieten. Stattdessen findet man vor allem Richtlinien zur Alltagsgestaltung von Individuen und Gruppen, sowie eschatologische und theologische Ausführungen. Der Koran ist die Hauptquelle für die islamische Rechtsprechung, obwohl nur etwa 10% des Korantextes Rechtsvorschriften im engeren Sinne umfassen.

Die Inhalte der Suren, die während Muhammads Zeit in Mekka offenbart wurden, unterscheiden sich deutlich von denen, die nach seiner Auswanderung nach Medina im Jahre 622 n.Chr. offenbart wurden. Während in der ersten Phase Themen des Weltunterganges, des Gottesgerichts, der Einheit Gottes (Monotheismus) und Prophetengeschichten dominieren, findet man in Versen der zweiten Phase konkretere Anweisungen zum Kultus und Ritual, zum Aufbau der Gemeinschaft, und Abgrenzungen zu Christen und Juden. Diese Verschiebung der Inhalte hängt direkt mit den veränderten sozialen und politischen Bedingungen zusammen, unter denen die junge muslimische Gemeinde lebte.

Der Koran im Alltag

Aus der Bedeutung des Korans als offenbartes Wort Gottes und aus seiner Entstehungsgeschichte lassen sich bestimmte Regeln für den Umgang mit ihm ableiten. Er sollte nur in einem Zustand ritueller Reinheit berührt werden: „Es ist ein vortrefflicher Koran, in einer wohlverwahrten Schrift, die nur von Reinen berührt wird“ (Sure 56: 77-79). Für viele bedeutet dies, dass Nichtmuslime den Koran nicht berühren dürfen, zumindest nicht in seiner arabischen Originalfassung. Übersetzungen hingegen können bedenkenlos von Nichtmuslimen in die Hand genommen werden.
Des Weiteren geziemt sich ein respektvoller Umgang mit dem Koran, der als offenbartes Wort Gottes beispielsweise nicht auf dem Boden liegen oder in der Badewanne gelesen werden soll. Manchmal wird der „respektvolle Umgang“ bis ins kleinste Detail durchdacht bis hin zur Position im Regal oder der Ausrichtung beim Lesen. Meistens wird auf das allgemeine Prinzip verwiesen, ohne weitere Anweisungen zu geben.

Weiterführende Literatur:

Bobzin, Hartmut. 2014. Der Koran. Eine Einführung. München: C.H.Beck.

Hofmann, Murad. 2002. Koran. München: Heinrich Hugendubel Verlag.

Sultan, Sohaib. 2006. Der Koran für Dummies. Weinheim: Wiley-VCH Verlag.

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