Das rituelle Gebet gehört zu den fünf Säulen des Islams. Auf Arabisch wird das fünfmalige Gebet am Tag „as-Salah“ genannt. Für das Gebet sind fünf Gebetszeiten vorgesehen: das Morgengebet (Fadschr), das Mittagsgebet (Dhuhr), das Nachmittagsgebet (‘Asr), das Abendgebet (Maghrib) und das Nachtgebet (‘Ischa). Die Gebetszeiten werden entsprechend des Sonnenverlaufs berechnet. In den muslimischen Ländern wird von der Moschee aus fünfmal am Tag, jeweils zu den Gebetszeiten, zum Gebet gerufen (Adhan).

Das rituelle Gebet

Spiritualität im Gebet

Im Koran wird auf die Einhaltung des Gebets folgendermaßen hingewiesen (Sure 2: 239): „Haltet die rituellen Gebete und (besonders) das mittlere rituelle Gebet ein, und steht demütig vor Gott.“ In diesem Vers wird vor allem dem Nachmittagsgebet (‘Asr), der Absicht bzw. der spirituellen Seite des Gebets eine besondere Bedeutung beigemessen. In vielen Überlieferungen werden diese Aspekte ebenfalls betont.

Metaphorisch fragte der Prophet Muhammad einst seine Gefährten: „Was meint ihr, sollte ein Fluss an der Haustür eines von euch vorbeifließen, in dem er sich jeden Tag fünfmal baden würde, würde von seinem Schmutz überhaupt etwas zurückbleiben? Die Gefährten sagten: „Nein.“ Er sagte: „Dies gleicht den Fünf-Gebeten; Gott tilgt ihnen die Verfehlungen.“ (überliefert von Bukhari, Muslim). Durch das Gebet werden nicht nur die Sünden vergeben, es hält auch von schlechten Charaktereigenschaften fern: „Verlies, was dir von dem Buche offenbart ward, und verrichte das Gebet. Wahrlich, das Gebet hält ab von Schändlichkeiten und Unrecht; und an Gott denken ist gewiss die höchste Tugend“ (Sure 29: 45).

Um die spirituelle Reinigung zu erlangen, bedarf es jedoch der Konzentration, des Gedenkens an Gott und der Distanzierung von weltlichen Angelegenheiten. Hier liegt die besondere Herausforderung, sich lediglich auf das Gebet zu konzentrieren, mit den Gedanken frei zu werden und den Alltagsstress beiseite zu lassen.

Die besondere Demut im Gebet wird im Arabischen „Khuschu’u“ genannt. Der Prophet Muhammad sagte in einer authentischen Überlieferung, dass das rituelle Gebet eines Gläubigen eine Himmelreise (Mi‘radsch) darstellt. Diese Aussage unterstreicht das Trennen von materiellen und weltlichen Dingen. Das rituelle Gebet beinhaltet nicht nur die inneren, sondern auch äußerliche Faktoren.

Äußerlichkeiten des Gebets

Das rituelle Gebet im Islam beinhaltet eine abwechselnde körperliche Bewegung, d.h. es wird nicht nur im Stehen oder Sitzen verrichtet. „Betet so, wie ihr mich beten gesehen habt“ sagte der Prophet Muhammad zu seinen Gefährten. Viele physischen Aspekte stützen sich aufgrund dessen auf die Aussagen der Gefährten oder des Propheten Muhammad selbst.

Es gibt elementare Bereiche des Gebets: das Stehen (Qiyam), die Verbeugung (Ruku‘), das Aufrichten des Körpers nach der Verbeugung (Raf‘), die Niederwerfung (Sudschud) und das letzte Sitzen (Qu’udul akhir). In den einzelnen Bewegungseinheiten werden entweder Suren aus dem Koran rezitiert, Lobpreisungen oder Bittgebete gesprochen. Besonders in der Niederwerfung ist es geboten, Bittgebete zu sprechen, da diese Stelle die naheste Stelle zu Gott darstellt.

Das Gebet kann alleine oder in der Gemeinschaft verrichtet werden. Innerhalb des muslimischen Diskurses tauchen häufig Diskussionen über die äußerlichen Faktoren des Gebetes auf. Einige Gelehrten sind der Ansicht, dass es einen Unterschied in der Verrichtung zwischen den Geschlechtern gibt. Wiederum gibt es andere Stimmen, die besagen, dass der Prophet Muhammad diesbezüglich keinen Unterschied gemacht hat.

Differenzen sind im Gebet auch zwischen Schiiten und Sunniten sichtbar. Innerhalb der sunnitischen Bewegung gibt es Meinungsunterschiede unter den vier Rechtschulen. Meist bewegen sich die Unterschiede und die gegenseitigen Kritiken in den Bereichen der freiwilligen Handlungen (Sunnah) im Gebet. Die Gefahr besteht hier jedoch, dass der Fokus auf die reinen Äußerlichkeiten reduziert und die spirituelle Seite vernachlässigt wird.

Weiterführende Literatur:

Schimmel, Annemarie und Sergio Pignedoli. 2004. Dein Wille geschehe. Die schönsten islamischen Gebete. Lympia: Spohr.

Mohamed, Abdel Aziz. 2013. Gebet im Islam. Wie beten die Muslime? Berlin: Diwan.

Sahinöz, Cemil. 2008. Das Gebetsbuch. Handbuch zum islamischen Gebet. Istanbul: Nesil Yayinlari.

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